2016 - Schluchseetour - La Tour de Retour

Von Wonsheim über Neustadt a. d. W. ins Elsass und über den Feldberg zum Schluchsee. Das war unsere Tour 2016, die geprägt war von Umleitungen durch Hochwasser, Veranstaltungen oder Baumfällarbeiten. Eine anstrengende Tour mit vielen Höhenmetern, die durch atemberaubende Panoramen belohnt wurden... Die erste Tour von Strampelmuse zu dritt! Im aktuellen Jahr haben wir die Vorbereitungen für unsere Tour gemeinsam mit Berni (unser Neuer) absolviert und uns daraufhin entschlossen in diesem Jahr die Tour an den Schluchsee erstmals als Trio anzugehen.

 

1. Etappe von Wonsheim nach Neustadt-Hambach (83,9 Km)

Die Tour stand aufgrund der aktuellen Fußball-Europameisterschaft in Frankreich ganz im Zeichen der EM – natürlich mit Deutschlandfahnen am Rad. Treffpunkt für die Abfahrt war am Donnerstagnachmittag Wolfgangs Garage. Hier verbrachten wir aufgrund des leichten Regens die erste halbe Stunde unserer Tour. Los ging es dann bei noch leichtem Nieselregen endlich gegen 13 Uhr über die uns gut bekannte Strecke Richtung Kirchheimbolanden. Der erste – und wir können es vorwegnehmen – auch der letzte Defekt dieser Tour ereilte uns bereits kurz vor Kirchheimbolanden: Die gebrochene Strebe eines Fahradsattels. Der Defekt wurde aber schnell behoben und unsere Fahrt ging weiter durch das schöne Zellertal nach Bockenheim an der Weinstraße. Von dort führte unser Weg weiter auf der Weinstraße zunächst nach Grünstadt. Dort angekommen bescherte uns ein kräftiger Regenschauer die erste Zwangspause bei leckerem Kuchen in der Fußgängerzone. Nach dem Regen ging es über den sehr gut ausgeschilderten Radweg weiter Richtung Neustadt. Durch herrliche Ortschaften und hügelige Weinlandschaften führte unser Weg vorbei am Bad Dürkheimer Riesenfass direkt nach Neustadt an der Weinstraße. Von dort aus erreichten wir den Ortsteil Hambach nach einem letzten Anstieg am frühen Abend. Unser Domizil waren die Hambacher Winzer, die kleinste Winzergenossenschaft Deutschlands. Nach einem ersten Getränk zur Stärkung und einer Dusche zur Erfrischung wurde Berni durch Überreichung der Strampelmuse-Kappe offiziell in den Strampelmuse-Club aufgenommen. Dies musste natürlich gefeiert werden, auch wenn La Mannschaft an diesem Abend mit einem 0:0 in der Gruppenphase gegen Polen nicht glänzen konnte.

 

 

 

2. Etappe von Neustadt-Hambach nach Iffezheim bei Rastatt (96,5 Km)

Ausgeschlafen und nach reichhaltigem Frühstück starteten wir am frühen Morgen in Richtung Süden. Weiter ging es durch die Weinberge und schmucke Dörfer wie bspw. Maikammer entlang der Weinstraße. Der weite Blick über die Rheinebene war herrlich. Bedrohlich wirken lediglich die äußerst dunklen Wolken, die– so schien es zumindest – über dem Elsass festhingen. Doch weit gefehlt. Wir hatten noch nicht die Rheinebene erreicht als der Wind drehte und die Regenwolken direkt in unsere Richtung schob. So waren wir jetzt schon zu einer ersten Pause im freien Feld unter einem Kirschbaum gezwungen. Als der Regen nachließ, entschlossen wir uns, weiterzufahren. Ein Fehler: Wir wurden klatschnass und da es weiter regnete suchten wir noch vor Landau Schutz in einer Bäckerei. Nachdem wir Wörth passiert hatten, erreichten wir den Rheinradweg, auf dem wir an der alten Lauter bald die Deutsch-Französische Grenze überfuhren. Der Rheinradweg auf der französischen Seite war wunderbar ausgebaut. Wären da nur nicht die erheblichen Regenfälle der vergangenen Tage gewesen. Die Auen waren komplett geflutet und ab und an waren Teilstücke des Rheinradweges gesperrt. Daher mussten wir Umwege über französische Landstraßen und aufgeweichte Dämme, die sehr schwierig zu befahren waren, hinnehmen. Die Räder konnten wir wieder leicht säubern, indem wir – wieder am Ufer angekommen – durch die überfluteten Hafenbereiche fuhren. Durch die Überschwemmungen war jedoch auch der Fährverkehr eingestellt und damit eine Überfahrt mit dem Schiff für uns nicht möglich. Ein Erlebnis der besonderen Art war der französische Straßenbauarbeiter, der uns aufgrund unserer Deutschlandfahnen, vor die Fahrräder sprang und rief: „Ceux qui gange sont seulement les bleus.“ Im Nachhinein müssen wir ihm – zumindest bezogen auf das Halbfinale am 07. Juli – leider recht geben, obwohl uns diese Szene im ersten Augenblick sichtlich aufgemuntert hat (haben wir doch nicht geglaubt, dass wir ausgerechnet gegen die Blauen aus dem EM-Wettbewerb ausscheiden). Bei der Weiterfahrt auf dem Radweg wurde es immer dunkler. Ein weiterer Stopp. Wir hatten uns gerade unter dem Vordach einer Sporthalle untergestellt, als wir ein Gewitter erlebten, das es so offensichtlich nur in Frankreich geben kann. Der Donner wollte gar nicht aufhören zu grollen. Mit uns? Offensichtlich nicht, denn nach etwa einer weiteren dreiviertel Stunde konnten wir unsere Fahrt fortsetzen. Kurz vor Rastatt konnten wir schließlich über eine alte Eisenbahnbrücke wieder von Frankreich nach Deutschland fahren. In Iffezheim fanden wir eine Unterkunft in einem urigen Gasthaus. Wir ließen es uns dann nicht nehmen, nach dem Abendessen noch einen Blick auf die Galopprennbahn von Iffezheim zu erhaschen und beendeten den Abend in einer Dorfkneipe bei Einheimischen und dem aktuellen EM-Spiel.

 

 

 

3. Etappe - Von Iffezheim nach Emmendingen - 113,7 km

Unsere Weiterfahrt führte uns am dritten Tag unserer Tour auf den Rheinradweg über Bühl, Achern, Appenweier und Offenburg. Die Berge des Schwarzwaldes wurden indes immer größer und wir konnten bis Offenburg bei leichtem Gegenwind aber stetiger Sonne gut vorankommen. In Offenburg entschieden wir uns bei buntem Markttreiben für einen Platz im Freien in einem Café in der Altstadt. Wir saßen noch nicht richtig, als uns die ersten Regentropfen trafen. Was folgte war ein herrliches Kuchenbuffet, leider dann im Inneren des fast überfüllten Cafés während es draußen schüttete. Den ersten Regenschutt des Tages überstanden wir so trocken. Die nächsten größeren Orte unserer Tour waren Lahr und Ettenheim. Der Weg dorthin führte uns durch die großen Obstanbaugebiete des Schwarzwaldes sowie vorbei an Weinbergen – also fast wie zu Hause, nur die Hügel bzw. Berge waren etwas imposanter. Auf unserem weiteren Weg nach Emmendingen wurden wir weiter von wechselhaftem Wetter mit Regenschauern aber auch Sonne begleitet. Mürbe machte uns weiterhin der stetige Wind. Daher waren wir durchaus froh, als wir am frühen Abend unser Etappenziel Emmendingen erreichten. Dort angekommen kümmerten wir uns um unsere Unterkunft für den Tag. Trotz der Größe dieser Stadt mit einem sehr sehenswerten Stadtkern war es leider nicht möglich, ein Zimmer für uns drei zu bekommen. Das einzige Hotel in der Stadt bot uns nur noch ein Einzelzimmer an, die beiden Pensionen hatten ebenfalls keine Kapazitäten mehr frei. So entschieden wir uns für das Hotel Krone in Emmendingen-Malek. Dies war leider noch weitere sechs Kilometer von unserem Standort entfernt und befand sich einige Höhenmeter über Emmendingen. So quälten wir uns noch nach Malek und zu allem Überfluss begann es auf dem Weg dorthin nochmals heftig zu regnen, sodass wir völlig durchnässt dort ankamen. Doch der Weg hat sich gelohnt. Das Hotel Krone ist ein sehr schönes Haus mit toll eingerichteten Zimmern und einer hervorragenden Küche. Nicht zuletzt genossen wir am Folgetag das reichhaltige Frühstücksbuffet im großen Saal mit Blick in den Garten, in dem mindestens zehn Flamingos leben.

 

 

 

4. Etappe - Von Emmendingen an den Schluchsee (82,3 km)

Die Königsetappe unserer Tour führte uns von zunächst über Sexau vorbei am Glottertal nach Freiburg. Einen kleinen Schreckmoment hatten wir bei der Weiterfahrt Richtung Kirchzarten. Ein Poller stand Bernis Rad im Weg, sodass wir uns zunächst um Berni und dessen Rad kümmerten. Glücklicherweise war nichts weiter passiert, was wir nicht hätten mit Pflaster flicken können, daher konnten wir – nachdem der Schreckmoment verdaut war – weiter fahren. In Kirchzarten angekommen stellten wir fest, dass gerade an diesem Tag der Black Forest Ultra Bike Marathon abgehalten wurde. Wir nutzten die Gelegenheit für einen kleinen Boxenstopp und nahmen einen Imbiss zu uns. „Die Sonne geht auf“ rief eine der Damen hinter dem Tresen, als Wolfgang die Szenerie betrat. Sie Sprang im selben Moment hervor und umarmte ihn. Wir waren echt platt von der Herzlichkeit, mussten dann aber leider feststellen, dass es sich um eine Verwechslung handelte und die nette Dame Wolfgang wohl für den Sieger des Radwettbewerbs hielt. (So sehn Sieger aus!) War leider nicht so, aber was nicht ist, …. Die Weiterfahrt führte uns über Oberried bergan nach Schluchsee. Die Berganfahrt war zu Beginn noch gut zu bewältigen, doch nach einiger Zeit gab es auch Passagen, auf denen wir das Rad schieben mussten. Leider verursachte eine Sperrung aufgrund des Ultra-Bike-Marathons noch, dass wir einen erheblichen Umweg hinnehmen mussten. Dies bescherte uns zwar eine längere Strecke, wir trafen jedoch auf dem Weg noch zwei nette einheimische Damen (die sich fragten, wo an unseren Rädern wohl die Akkus sind) aus Titisee, die uns bestätigten, dass wir auf dem richtigen Weg sind und uns mit der Aussicht auf ein Wirtshaus in wenigen Kilometern Entfernung aufmunterten. Das avisierte Wirtshaus hatte dann aber leider geschlossen. Zu gerne hätten wir uns mal aufgewärmt und eine heiße Suppe zu uns genommen. Doch nach wenigen Kilometern Bergabfahrt fanden wir tatsächlich ein Wirtshaus, das unseren Hunger und Durst stillen konnte. Zu unserem Leidwesen erfuhren wir dort von äußerst hilfsbereiten Einheimischen, dass wir den Weg (unsere rasante Abfahrt) wieder komplett retour fahren mussten, um auf geschicktestem Weg nach Schluchsee zu kommen. Wir befolgten den Rat. Über gut ausgebaute Wirtschaftswege kamen wir ins Bärental, von wo aus noch ein etwa zwei Kilometer langer weiterer Anstieg auf uns wartete. Der weitere Radweg führte entlang der B500 direkt am herrlich gelegenen Schluchsee vorbei in den Ort Schluchsee. Wir waren froh, nach über 80 Km und unglaublichen 1.400 zurückgelegten Höhenmetern in unserer Unterkunft angekommen zu sein. Der Inhaber des Gästehauses Schöneck erwies sich als sehr guter Gastgeber. Den Abschluss des Abends feierten wir bei deftigem Essen und einer leckeren Käseplatte in den Gaststuben des Aparthotels Sonnenburg. Zum Abschluss des Tages versuchten wir noch, ein Online-Ticket bei der Bahn für die Rückfahrt zu erwerben. Dies war Aufgrund eines Serverfehlers, den die Deutsche Bahn meldete, leider nicht möglich. So entschieden wir, die Tickets am kommenden Tag am Automaten in Titisee zu kaufen.

 

 

 

5. Etappe - Rückfahrt vom Schluchsee über den Titisee nach Wonsheim (37,6 Km)

Die Rückfahrt: Gut geplant, aber ein Vorhaben mit Hindernissen. Gerne hätten wir für die Rückfahrt den Zug von Schluchsee nach Freiburg genommen, doch die Bahnstrecke wurde gerade saniert und eine Fahrradmitnahme in den Ersatzbussen ausgeschlossen. Aber was soll´s? Wir sind ja schließlich mit dem Rad unterwegs. So fuhren wir frohen Mutes los Richtung Titisee. Bereits nach drei Kilometern durch den Wald das erste Hindernis des Tages. Baumfällarbeiten, keine Durchfahrt! Also die drei Kilometer wieder retour und den etwas schlichteren Weg an der Bundesstraße entlang. Nach einer schönen Abfahrt über Bärental kamen wir in Titisee an. Unser erster Weg führte wegen des missglückten Fahrkartenkaufversuchs am Vorabend direkt an den Bahnhof. Der Fahrkartenautomat kannte auch die von uns herausgesuchte Bahnverbindung, sodass wir das Ticket erstanden. Wir fanden hierbei im gesamten Menü des Automaten jedoch keine Möglichkeit, die Fahrradmitnahme zu buchen. Da die Deutsche Bahn vor Ort kein Personal hat, entschlossen wir uns, diesen Punkt bei der Ankunft in Freiburg noch zu regeln. Bis zur Abfahrt unseres Zuges in Titisee genossen wir noch die schöne Gegend und das herrliche Wetter. Im Zug nach Freiburg entdeckten wir letztendlich eine Anleitung der Bahn, wie am Automaten Fahrradkarten gebucht werden können. (Verbesserungstipp für die Bahn: Bitte solche Anleitungen im oder am Automaten selbst hinterlegen.) Wir also in Freiburg direkt an den Fahrkartenautomaten. Die Anleitung der Bahn befolgend hätten wir jedoch nur Fahrradkarten für den Nahverkehr buchen können und nicht für den von uns ausgesuchten Euro-City. Genervt führte uns unser Weg also doch ins Reisezentrum der Bahn, um dort zu erfahren, dass die Buchung der Fahrradmitnahme in einem EC ausschließlich über das Internet (was uns am Vortag aufgrund des Serverfehlers nicht gelang) oder am Schalter möglich sei. Aber genau deswegen waren wir ja nun am Schalter! Wir erfuhren jedoch, dass die Fahrradplätze im EC bereits alle ausgebucht seien und dass die einzige Möglichkeit noch an diesem Tag mit der Bahn heimzukommen war, uns auf diverse Bummelzüge und mehrfaches Umsteigen einzulassen. Geplante Ankunft ca. zwei Stunden später als ursprünglich geplant. Unverdrossen – in dem Wissen, dass wir es ohnehin nicht ändern können – traten wir die Fahrt also mit den angebotenen Bummelzügen an. Ein weiterer Defekt der Bahn kurz vor Heidelberg führte dann dazu, dass wir nochmals Umsteigen mussten, in einen Zug ohne funktionsfähige Toiletten, was schon beim Einsteigen durch einen dezenten Geruch angekündigt wurde. Glücklicherweise dauerte die Fahrt nicht allzu Lange und wir mussten erneut umsteigen, dieses Mal hatten wir einen längeren Aufenthalt in Ludwigshafen/Hbf wo es dann gar keine öffentliche Toilette gab. Nicht, dass Reisende ab und an ein sehr menschliches Bedürfnis hätten. Schließlich rund drei Stunden später als geplant gegen 19.30 Uhr kamen wir endlich in Armsheim an. An dieser Stelle sei ein Zitat von Lurch Peter Hansen erlaubt: „Thank you for Deutsche Bahn!“ Pünktlich zur Ankunft in Armsheim setzte auch wieder unser treuer Wegbegleiter der Regen ein. Dieser hielt uns jedoch nicht von einer zügigen Fahrt nach Hause ab, wo wir schließlich wohlbehalten und voll mit guten Erinnerungen kurz nach 20 Uhr in Wonsheim ankamen. Auf die Tour im nächsten Jahr freuen wir uns schon heute…… Mal sehen, wohin es uns diesmal – am besten ohne Abhängigkeit von der Deutschen Bahn – verschlägt.

Ende der diesjährigen Tour.

© 2016 Strampelmuse