2011 - Der Radschmetterling - Rund um die Frankenhöhe!

Der "Radschmetterling" ist ein Radwegenetz am Übergang von Hohenloher Ebene und Frankenhöhe in Schmetterlingsform. Mittelpunkt ist Insingen. Die einzelnen Teilstrecken von jeweils etwa 70 km bilden die Flügel des Schmetterlings nach Westen und Osten. Reizvolle, oft unberührte Landschaften ein schönes, naturbelassenes Gebiet und überall freundliche Menschen, gutes Essen und ein schönes, kühles Bier..."

 

1. Etappe - Violetter Flügel - 69 km

Geplant hatten wir eigentlich eine viertägige Tour. Aber leider war uns das nicht vergönnt, da ein wichtiges Projekt auf der Arbeitstelle unsere Tour um einen Tag verkürzte. Die Arbeit geht leider vor, also starten wir Freitags morgens in aller Frühe zur einer komprimierten Drei-Tage-Tour ins Frankenland. Wir hatten uns vorgenommen, das beste aus dem Dilemma zu machen und so viel wie möglich von der ursprünglichen Strecke abzufahren. Der Umstand, dass der Radschmetterling sich in vier Flügel á 70 km unterteilt, hatte den Vorteil, dass wir immer wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren konnten. Daher machten wir den vierflügligen Schmetterling zum Krüppel mit drei Flügeln, um wenigstens die markantesten Stellen zu besuchen. Außerdem hatte ein zentraler Ausgangspunkt den Vorteil, dass wir mit kleinem Gepäck fahren konnten, was sich im weiteren Verlauf der Tour als sehr angenehm erwies. Nach knapp vierstündiger Fahrt mit unserem Auto, in das wir die Fahrräder nebst Gepäck gezwängt hatten, erreichten wir bei gutem Wetter Lohr bei Insingen. Es war so um die Mittagszeit und die Wirtin unserer Unterkunft, die wir in einem Bauernhof gebucht hatten, war zunächst nicht anzutreffen. Aber es roch verführerisch nach einem deftigen, ländlichen Mittagessen. Wir folgten dem Geruch und fanden dann auch die Wirtin –Frau Gundel- die gerade eifrig in der Küche am werkeln war. Wir wurden herzlich begrüßt und durften sogleich unsere Zimmer beziehen, welche im Stil der frühen 70er Jahre eingerichtet waren. Trotz des beachtlichen Alters waren die Möbel noch erstaunlich stabil und zudem war es sauber. Wir waren ja nicht hier um auf den Zimmern zu bleiben, daher nahmen wir die altmodisch anmutende Einrichtung gelassen hin und räumten in Windeseile unsere Taschen aus um an diesem Tag noch eine anständige Etappe zu starten. Obwohl der leckere Duft aus der Küche uns zum Mittagessen einlud, blieben wir hart und stiegen auf unsere Räder. Wir trösteten uns damit, am Abend die fränkische Küche etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Jetzt konzentrierten wir uns auf den eigentlichen Grund unserer Anwesenheit und starteten unsere erste Etappe die uns auf dem Grünen Flügel des Radschmetterlings durch den Naturpark Frankenhöhe führen sollte. Zunächst fuhren wir auf der Hauptstraße aus Lohr heraus in Richtung Insingen um dann kurz nach dem Ortsrand nach links auf einen Wirtschaftweg abzubiegen, der am Waldrand entlang durch Wiesen und Felder führte. Es ging stetig berauf und ein leichter Gegenwind wehte uns ins Gesicht. Wir kamen das erste mal ins Schwitzen und gleichzeitig einen Vorgeschmack auf die kommende Tour. Doch erst einmal konnten wir bei der nachfolgenden Abfahrt nach Diebach schon wieder ausruhen. Am Ortseingang stießen wir zum ersten mal auf die Tauber, welche dort still und heimlich, durch eine Allee von Weiden und Pappeln fließt. Wir folgten der Tauber nach rechts und fuhren auf Wirtschaftswegen bis nach Insingen. Da ein Landwirt gerade dabei war, seine Felder mit frischer Gülle zu düngen, legten wir einen Zahn zu, um der guten Landluft schnell zu entkommen. Wir fuhren durch den beschaulichen Ort, leicht bergauf, vorbei am Gasthof Hirschen, bogen dann auf Höhe des Pfarramtes nach links ab und folgten weiter dem ausgewiesenen Radweg. Am Ortsausgang von Insingen trafen wir erneut auf die Tauber, die sich gemächlich entlang des Radwegs schlängelte. Dieser führte uns die nächsten fünf Kilometer durch saftige Wiesen und Felder voll duftender Gräser und Kräuter bis nach Hausen. Wir durchfuhren den Ort und fuhren entlang des Waldrandes unter heiterem Himmel bis nach zu einem kleinen Ortsteil, der zu Roth am See gehörte. Wir hatten Kaffeedurst und eine kleine Bäckerei lockte mit zwei Plätzen im Freien für ein kurzes Verweilen. Wir stärkten uns mit einem großen Pott Kaffee und frischen Teilchen. Danach fuhren wir weiter durch schöne fränkische Auen und Waldgebiete, fern von jeder Straße. Nur ab und zu stand ein einsamer Hof inmitten der Felder. Vogelgezwitscher und in der Ferne Glockengeläut waren die einzigen Geräusche die zu hören waren. Wir kamen in Brettenfeld bei Roth am See an und durchfuhren den kleinen Ort um dann wieder schier endlose Pfade durch Wiesen und Felder zu befahren. Reifende Kornfelder und Sonnenblumen zierten die nächsten sieben Kilometer, nur unterbrochen von kleinen Waldstücken mit schattenspendenden Laub- und Nadelbäumen. Wir erreichten Blaufelden fuhren in der Ortsmitte an der Polizeistation nach rechts ab um bergauf in Richtung Sigisweiler zu fahren. Es war herrliches Fahrradwetter, die Sonne schien und es waren nur wenige Wolken am Himmel. Wir sausten von Sigisweiler bis Schrozberg bergab und machten kurz an der schönen Residenz aus dem Jahr 1441 halt um einige Fotos zu schießen. Danach fuhren wir aus Schrozberg hinaus und steuerten auf den Waldrand zu. Was nun folgte bescheinigt, warum diese Webpräsens „Strampelmuse“ heißt. Der Radweg ging durch den dichten Wald unter duftenden Tannen und dichten Laubbäumen hindurch. Ab und an schienen ein paar wärmende Sonnenstrahlen durch die hohen Bäume. Das gesamte Szenario war in gedämpftes Licht getaucht, Vogelgezwitscher war allgegenwärtig - einfach Strampeln mit Muse! Es wurde etwas kühler, wir kamen gut voran und erfreuten uns an dem schönen Stück Radweg. Über vier Kilometer ging es so weiter und plötzlich fanden wir uns wieder inmitten von Wiesen und Feldern bei strahlendem Sonnenschein. Wir radelten bergauf und –ab nachWindisch-Bockenfeld. Dort machten wir auf dem Grillplatz am Ortseingang kurze Rast, um etwas zu trinken und einen Müsliriegel zu essen. Von hier aus konnte man in der Ferne schon Rothenburg erkennen. Danach fuhren wir bergab bis Leuzenbronn, es ging über die Landstraße, aber das merkten wir kaum, da es eigentlich überhaupt keinen Verkehr gab. Es überwiegten landwirtschaftlich genutzte Felder und Wiesen. Der Wegrand war gesäumt von wilden Blumen und Obstbäumen. Nach Leuzenbronn ging es mit Höchstgeschwindigkeit bergab ins Taubertal. Dieses kurze Teilstück hatte es in sich. Es ging steil bergab auf der Landstraße und da die Strecke zum Teil durch dichten Wald führte, musste man höllisch aufpassen nicht auf die Nase zu fallen. Durch die Regenfälle der vergangenen Tage waren die Abwassergräben immer noch zum Überlaufen gefüllt. Ab und an ergoss sich ein solches Rinnsal quer über die Straße. Es war schon teilweise recht glitschig. Aber wir kamen gut und ohne Blessuren im Tal an und stießen hier wieder auf die Tauber, welcher wir in Richtung Rotenburg folgten. Zunächst ging es vorbei an einer schönen Wassermühle mit tosendem Mühlrad und dann leicht bergauf zum sogenannten Topplerschlößchen, einem blauen Haus auf einem Turm. Generell schien blau bei den Hausbesitzern eine sehr beliebte Farbe zu sein. Wir kamen nicht einmal durch einen Ort in dem es nicht mindestens ein Haus in dieser Farbe gab. Wir warteten schon fast darauf und waren erst zufrieden, wenn einer von uns bekannt gab: „Da ist ja unser blaues Haus...“ Wir fuhren weiter bergauf und schon tauchte vor uns die malerische Kulisse von Rothenburg auf. Zwei grasende Pferde begrüßten uns mit lautem Wiehern und wir machten uns an den Aufstieg nach Rothenburg. Der Weg führte über die Tauberbrücke eine zunächst asphaltierte Straße in Serpentinen bergauf und mündete in eine schmale Schlucht aus bunten, alten Fachwerkhäusern und Kopfsteinplasterstraßen. Wir stiegen ab und schoben unsere Räder unter dem Torbogen des äußeren Befestigungswalls hindurch. Postkartenmotiven gleich buhlten die bunten Häuser mit reichlich Verzierungen um unsere Gunst. Wir schossen etliche Fotos und konnten uns gar nicht satt sehen an den schönen, alten Gebäuden. Wir schoben unsere Räder vorbei an kleinen Lädchen, schönen Straßen-Cafés. einladenden Biergärten und interessant anmutenden Gebäuden vorbei. Etliche Kirchen und Befestigungsanlagen gab es zu bestaunen. Wir statteten dem Weihnachtsladen von Käthe Wohlfahrt und dem Foltermuseum einen Besuch ab und gönnten uns dann in einer schattigen, kleinen Bierkneipe ein kühles, frisches Kellerbier. Wir saßen bei strahlendem Wetter, draußen auf der Straße, hatten den größten Teil der Strecke für diesen Tag geschafft und genossen den Trubel in den engen Gassen. Hier war richtig was los. Touristen aus aller Herren Länder fotografierten als wenn es morgen nicht mehr ginge. Am witzigsten sahen aber die aus, die versuchten mit einem I-Pad zu fotografieren. In einer Zeit, wo alles immer kleiner und leichter werden zu scheint, sieht es schon lustig aus, wenn jemand ein Kuchenblech vor sich hält und verkrampft versucht den Auslöser zu treffen. Wir sahen uns noch ein wenig in Rothenburg um, fuhren noch ein Stück entlang des Walles und kehrten dann der schönen Stadt den Rücken, um die letzten Kilometer bis zu unserer Unterkunft abzuspulen. Wir fuhren wieder durch ein schattiges Tal entlang der Tauber und nun machte sich die abendliche Kühle bemerkbar. Wir fröstelten und zudem machte uns der weiche Boden des unbefestigten Radweges zu schaffen. Aber die Landschaft entschädigte uns, und bescherte eine schöne Ansicht nach der anderen. Wir machten kurz an der Kurklinik in Bad Wildbad halt und wanderten ein paar Schritten zwischen den Arkaden. Danach ging es weiter durch den dunklen Blätterwald bis wir bei Sankt Leonhard wieder die untergehende Sonne zu Gesicht bekamen. Wir beeilten uns, denn allmählich machte sich der Hunger bemerkbar und rief uns die wohligen Gerüche ins Gedächtnis, die wir bei unserer Ankunft schon bemerkt hatten. Wir malten uns aus, was das Gasthaus des Ortes wohl an Köstlichkeiten zu bieten hatte. Die Vorfreude trieb uns an, und wir sollten nicht enttäuscht werden. Wir radelten über Gelbsattel nach Bockenfeld und bogen dann rechts ab in Richtung Lohr. Schnell hatten wir unsere Unterkunft erreicht wo im Gästekühlschrank ein kühles Blondes der Hausmarke „Gundelbräu“ auf uns wartete. Nach dieser kurzen Erfrischung beeilten wir uns, um uns für das Abendessen frisch zu machen. Dieses gestaltete sich im oberen Stockwerk etwas schwieriger, da zum einen, die Dusche wohl für Pygmäen gebaut war und zum anderen der Wasserdruck nur ein tröpfelndes Rinnsal aus der Dusche ließ. Frisch geduscht und mit einem Bärenhunger machten wir uns zu Fuß auf in Richtung Dorfgasthaus „Zum Ochsen“. Es roch schon verführerisch, als wir die Gaststube betraten. Der Wirt, mit gedrehten Schnauzer und fränkischer Tracht rief uns von der Theke aus zu: „ Mer ham heut frisch g´schlacht, wollt ehr ach e Schlachtschüssel?“ Da sagten wir nicht nein und uns lief das Wasser im Mund zusammen. „E Mezzelsupp vorneraus?“ Natürlich! „Un zu drinke?“ Ein Pils, ein Weizen... Der Abend versprach interessant zu werden. Zunächst stillten wir unseren Durst mit den gereichten Getränken und unseren ersten Hunger mit der heißen Schlachtersuppe. Danach kam die riesige Schlachtplatte. „Hab ich alles selbscht abgschmeckt...“ ließ uns der Wirt wissen und erkundigte sich sogleich ob er unseren Geschmack getroffen hatten. „S´gut oder?“ Es war hervorragend und vor allem reichlich. Wir kämpften mit dem Sättigungsgefühl, aber es wäre zu schade gewesen, etwas übrig zu lassen. Wir spülten den Rest mit einem weiteren Bier herunter und sanken erschöpft in die Kissen der gemütlichen Eckbank. „Wollt´s ehr noch´n Nachschlag ham?“ Das verneinten wir dankend, „Enn Schnaps zur Verdauung? Selbscht gebrennt?“ Warum nicht! Der Wirt kam und ließ uns wissen, dass er zu jedem Schnaps einen „selbschtgemachten“ Trinkspruch parat hatte. Er warf sich in die Brust: „Der Bauer steht am Scheunentor und pieselt durch die Ritze, drinnen fiel die Sense um und weg war seine Spritze. Ein Stummel blieb im zum Trost, Prost!“ und trank einen Schnaps mit. Wir blieben noch eine Weile und tranken noch ein paar weitere Runden mit dem Wirt, der uns nach kurzer Zeit das „Du“ anbot und sich zu uns setzte. Es wurde ein sehr schöner Abend und Karl, der Wirt hatte einen Witz nach dem anderen auf Lager. Einige Schnäpse und Trinksprüche später mussten wir aber abbrechen u nd zurück zu unserer Unterkunft sonst hätten wir den nächsten Tag nicht mehr fahren können. „Kommet´s ehr meue wieder?“ wollte Karl zu Abschied wissen. „Wenn Du uns eine Schweinshaxe machst....“ erwiderten wir. Somit war zumindest der Ausgang und das Essen für den nächsten Abend schon klar. Der kurze Spaziergang und die frische Luft bewiesen uns, dass es wohl doch mehr „selbschtgemachte“ Trinksprüche waren als wir dachten und wir waren froh endlich zu Bett gehen zu dürfen. Erschöpft, satt und glücklich schliefen wir ein und waren gespannt, was uns morgen erwarten würde.....

 

 

 

2. Etappe - Roter und blauer Flügel - 88 km

Viel zu kurz war die Nacht gewesen und so richtig wach wollten wir gar nicht werden. Steckte uns doch der gestrige Abend noch ziemlich in den Knochen bzw. im Kopf. Aber wir waren ja nicht zum Spaß hier, also rappelten wir uns auf und beschlossen nach dem Frühstück zwar langsam, aber in jedem Fall zu starten. Frau Gundel hatte in der Kaminstube ein leckeres Frühstück zubereitet. Selbstgemachte Marmelade, frischgebackener Kuchen und vor allem ein heißer, starker Kaffee. So langsam kehrte wieder Leben in uns, und wir planten die Tagesetappe. Da wir ja einen Tag weniger zur Verfügung hatten als ursprünglich geplant, beschlossen wir den Blauen und den Roten Flügel zu verbinden und wenigstens das meiste der Strecke abzufahren. Aufgrund der Strecken, die dicht aneinandergrenzten war das ganz gut in einer Tour von knapp 100 km zu machen. Wir tranken unseren Kaffee aus und gingen zu den Rädern. Der Himmel hatte sich zugezogen, es sah nicht sehr einladend aus und pünktlich mit unserer Abfahrt setzte auch dann der Regen ein. Wir radelten bei leichtem Nieselregen von Lohr nach Bockenfeld um von dort aus auf dem Grünen Flügel weiter in Richtung Diebach weiter zu fahren. Schnell hatten wir die kurze Strecke hinter uns gebracht. Es hatte zu regnen aufgehört und wir schöpften neuen Mut. Es ging durch Insingen und dann leicht bergauf in Richtung des Waldes. Der Radweg folgte der Straße um dann etwa auf der halben Strecke nach Untergailnau nach links auf die alte Bahntrasse Schillingsfürst/Rothenburg abzubiegen. Dort ging es durch Felder und Wiesen bis nach Unteroestheim. Am Ortseingang fuhren wir am jüdischen Friedhof vorbei in die Ortsmitte und bogen dann links ab in Richtung Oberoestheim. Der Wind fing kräftig an zu blasen und wir hatten Mühe die Steigung bergauf zu fahren. Keuchend kamen wir oben an, rasteten kurz und fuhren dann nach rechts in Richtung des Waldes. Der Radweg war unbefestigt, aber gut befahrbar und führte mitten durch den dichten Wald, was uns sehr entgegen kam, da es wieder angefangen hatte zu regnen und die Bäume ein fast dichtes Dach bildeten. In der Ferne war ein stetiges Rauschen zu vernehmen, was uns daran erinnerte, dass trotz des Idylle, die Zivilisation in Form der nahen Autobahn Einzug in diesen schönen Wald gehalten hatte. Wir querten die Autobahn auf einer Brücke und fuhren weiter durch den Wald bis dieser abrupt in einem kleinen Industriegebiet endete. Wir hatten Schillingsfürst erreicht. Schnell verließen wir das Industriegebiet und radelten weiter auf dem Radweg durch ein kleines Dörfchen, in dem die Hühner auf der Straße frei herumliefen und nur unwillig die Durchfahrt freimachten. Der Radweg verlief auf der alten Bahntrasse von Schillingsfürst nach Dombühl bis Oberwörnitz. Dort bogen wir links in Richtung Wörnitz ab, folgten der Hauptstraße um dann kurz vor Wörnitz links abzubiegen und einem Feldweg zu folgen. Unvermittelt standen wir nach der Überquerung eines kleinen Baches inmitten eines Neubaugebietes. Von Hinweisen auf den Radweg war ab hier keine Spur mehr. Wir durchfuhren das Neubaugebiet und radelten wieder in Richtung Wörnitz. Kurz vor dem bereits bekannten Kreisel am Ortseingang stellten wir fest, dass wir in die falsche Richtung unterwegs waren. Wir wendeten und fuhren das ganze Stück wieder zurück. Am Ortsausgang trafen wir dann wieder auf einen Radweg. Ein kurzer Blick in die Karte bestätigte uns, dass wir wieder richtig waren und tatsächlich am Ortseingang von Mittelstätten entdeckten wir wieder die grünen Hinweisschilder auf den Radweg. Dieser ging dann durch Mittelstätten überquerte die Hauptstraße um dann bergauf einem befestigten Wirtschaftsweg zu folgen. Nach ein paar Kilometern stießen wir wieder auf eine unbefahrene Straße, der wir nach rechts folgten und dann sogleich kurz danach in Dombühl einzufahren. Langsam machte sich der erste Hunger bemerkbar und wir beschlossen eine Tasse Kaffee zu trinken. Während einer kleinen Rundfahrt durch den beschaulichen Ort, wurden wir schnell fündig und tranken in der Ortsbäckerei, die zugleich auch Dorfladen war eine heiße Tasse Kaffee und aßen Gebäckteilchen. Da heute Samstag war, deckten wir uns noch mit etwas Reiseproviant in Form von Semmeln und Hartwürsten ein. Ein kurzer Plausch mit der Bäckersfrau und wir fuhren wieder weiter. Es ging am Ortsausgang nach links auf gut ausgebauten Wirtschaftswegen stetig bergauf bis nach Ziegelhaus, durch den Ort hindurch und dann in Richtung Waldrand. Der Wald nahm den Wind ein wenig weg und wir genossen die Ruhe bei der Durchfahrt. Bis auf das knirschen des feuchten Untergrundes unter unseren Reifen wurde die Stillen nur durch Vogelrufe unterbrochen. Am Waldrand ging es dann ordentlich bergab bis nach Leipoldsberg. Nun folgten wir wieder der wenig befahrenen Straße durch den Ort und einen Aussiedlerhof. Wir radelten auf der Straße einige Kilometer bis nach Traisdorf, bogen dann rechts ab und fuhren auf der Straße weiter über Buch, Frommetsfelden und Meuchlein bis nach Colmberg. Der Weg ging durch Felder, Wiesen und am Waldrand vorbei an kleinen Teichen und Bächen. Das Wetter hätte schlechter sein können. Es regnete ab und an ein paar Tropfen, aber im großen und ganzen, waren wir schon bei schlechterem Wetter unterwegs gewesen. Von weitem zeichnete sich die Silhouette der Burg Colmberg im wolkenverhangenen Himmel ab. Wir bedauerten, diesen schönen Anblick nicht bei strahlendem Sonnenschein genießen zu können und radelten unverdrossen weiter. Es ging nach rechts am Fuße der Burg entlang und mitten durch einen Golfplatz. Das schöne Grün und der Wasserstand der Fischteiche in unmittelbarer Nähe zeugten noch vom Regen der vergangenen Tage. Wir veließen den Golfplatz und fuhren vorbei am Waldschwimmbad bergauf, immer am Waldrand entlang bis nach Unterhegenau. Dort bogen wir nach links in Richtung Binzwangen ab. Es ging wieder durch saftig, grüne Wiesen und Felder, mit schönen Wildblumen am Straßenrand. Ab und an unterbrach ein Baum das gewohnte Bild. Am Horizont türmten sich drohend dunkle Wolken auf und wir beeilten uns den nächsten Ort zu erreichen. Kurz vorm Ortseingang von Oberhegenau öffnete der Himmel seine Schleusen und zeigte uns eindrucksvoll, wie nass man auf nur 100 m werden kann. Wir retteten uns unter ein überstehendes Dach einer Scheune und warteten das Gewitter ab. Zwischenzeitlich beruhigten unseren Hunger mit Müsliriegeln und Bananen.Nach einer Weile konnten wir wieder weiter fahren und machten dann in Binzwangen vor der schönen Pfarrkirche St. Lambertus Rast und aßen genüsslich die mitgebrachten Hartwürste. Frisch gestärkt ging es wieder weiter vorbei an kleinen malerischen Ortschaften mit blauen Häusern und durch Wirtschaftswege über Birkach bis nach Hornau. Dort bogen wir fälschlicherweise rechts in Richtung Wald ab. Nach einigen unnötigen Zusatzkilometern bemerkten wir aber unserem Irrtum und sausten die vorher mühsam erklommene Steigung wieder hinunter. Danach quälten wir unsere Räder den Berg zum Wald hinauf um dann auf der anderen Seite wieder mit Schwung hinunter bis nach Windelsbach zu fahren. Unten angekommen fuhren wir auf der wenig befahrenen Straße wieder stetig bergauf, vorbei am Naturbad und Campingplatz nach Nordenberg. Nun war die Sonne herausgekommen, und machte uns bei der steilen Auffahrt das leben schwer. Keuchend kamen wir oben an und freuten uns auf die leichte Abfahrt nach Linden. Es schoben sich Wolken vor die Sonne und der Wind frischte stark auf. Es schien fast so, als wollte er unsere Bergabfahrt bremsen Von Linden aus waren es nur noch wenige Kilometer nach Rothenburg und die sollten laut Karte steil bergab durch den Wald gehen. Wir strampelten gegen den Wind und erreichten den Waldrand, wo der Wind wegen der hohen Bäume abrupt verstummte. Es ging mit 7 –10%igem Gefälle bergab. Die Kurven waren aber mit Vorsicht zu genießen, da der Regenschutt vom Mittag hier im dichten Wald, gemeinsam mit Blättern und Nadeln eine glitschige Oberfläche bildeten. Das letzte Stück ging schnurgerade und steil bergab und wir ließen die Bremsen los um mit Schwung den kleinen Anstieg nach Schweinsdorf anzugehen. Während wir im Wald Geschwindigkeit aufnahmen, traf uns am Waldrand der Gegenwind mit voller Wucht. Es schien, als wolle der Wind all das, was er uns im Wald ersparte, nun auf einen Schlag zurückgeben. Trotz starkem Gefälle wurden wir immer langsamer und fingen sogar an, bergab in die Pedale zu treten. Es ging unter der Autobahnbrücke hindurch nach Schweinsdorf und durch den Ort bergauf bis nach Rothenburg. Die Einfahrt von dieser Seite aus gehört bestimmt nicht zu den schönsten Ansichten dieser Stadt und steht im Kontrast zu den schönen Kulissen vom Vortag. Es ging durch den eher modernen Teil der Stadt und das Industriegebiet. Wer die Tour gerne nachfahren möchte, erspart sich diesen Teil und biegt in Schweinsdorf links in Richtung Gelbsattel ab. Wir erreichten die Befestigungsmauer in Rothenburg am oberen Wall und machten bei Sonnenschein ein paar schöne Bilder der Anlage.Da wir die schöne Altstadt und die Befestigungsanlage schon am Vortag ausgiebig besichtigt hatten, zogen wir es vor, dass gerade mal schöne Wetter zu genießen und im nahen Café eine schöne Tasse Kaffee und ein großes Stück frischen Blechkuchen zu ordern. Wir saßen im freien und schauten uns den Touristentrubel lieber aus der Ferne an. Radfahren kann so schön sein.... Es wurde plötzlich dunkel und die aufziehenden Regenwolken mahnten uns weiter zu fahren. Zunächst wollten wir die bereits vom Vortag bekannte Route vorbei an der Kurklinik in Bad Wildbad nehmen. Aufgrund des losen Untergrunds und des Regens über den ganzen Tag, entschieden wir uns aber für die uns über St. Leonhart bis nach Gelbsattel führte. Dort bogen wir wieder auf die gestrige Route ein und fuhren auf der alten Bahnlinie auf gekiestem Untergrund bis nach Bockenfeld. Weiter ging es dann auf der Straße leicht bergauf, bis zu unserem Zielpunkt, der Pension Gundel in Lohr.Nach einem Willkommensbierchen aus dem Gästekühlschrank und einer Dusche machten wir uns auf ins Gasthaus zum Ochsen zu unserem neuen Freund Karl, um mal nachzusehen, ob das mit unserer versprochenen Haxe klappen sollte. Schon beim reinkommen begrüßte uns Karl mit den Worten in Richtung Küche: „zwoa moal Haxe komplett“ und in Richtung Theke: „ oa Pils un oa Weizen“ und zu uns: „Aach e Metzelsupp vornweg?“ Was wollten wir mehr. Der Abend verlief ähnlich wie am Abend zuvor. Zwischendurch waren wir noch mal auf einen kleinen Verdauungs-Spaziergang draußen. Ganz klar, die „selbschtgezochenen“ Schweine waren deutlich größer in Franken, was man deutlich an den Riesigen Haxen erkennen konnte. Wir waren pappsatt und so taten die paar Schritte durch Lohr ganz gut. Wieder zurück kredenzte uns Karl noch die Reste vom Nachtisch von der Feier am Vortag. Natürlich kamen wir auch nicht um die „selbschtgemachde“ Trinksprüche mit den "selbschdgebrennde" Schnäpse herum. Kurzum, ein geselliger Abend, der noch lange dauern sollte und gleichzeitig auch den Abschluß unserer Tour einleitete. Am nächsten Tag wollten wir noch den verbleibenden grünen Flügel des Radschmetterlings erkunden und danach wieder mit dem Auto nach Hause fahren. Viel zu spät verließen wir den Ochsen, nicht ohne das uns Karl das Versprechen abverlangte bei Ihm die Zimmer zu buchen, sollten wir noch einmal die Gegend kommen. Wir versprachen, machten uns auf den Weg zur Pension und wussten schon jetzt, dass uns dieser Abend noch lange in Erinnerung bleiben würde, in jeder Hinsicht...

 

 

 

3. Etappe -Grüner Flügel - 75 km

Der nächste Morgen begann planmäßig und wie erwartet in Form von Nachwirkungserscheinungen und leichten, feinmotorischen Ausfällen. Das änderte sich dann aber recht schnell bei einem üppigen Frühstück vor dem Kachelofen und ein paar Tassen Kaffee. Wir räumten die Zimmer, zahlten unsere Miete und verabschiedeten uns schon mal bei der Familie Gundel, die uns mittlerweile richtig ans Herz gewachsen waren. So nette Leute trifft man nicht alle Tage. Wir starteten zu unserer letzten Etappe mit dem pünktlich einsetzenden Nieselregen und spulten die gewohnten ersten Kilometer bis Diebach ab, die wir schon bei unserer ersten Etappe kennen gelernt hatten. Dann weiter durch Insingen und während wir am ersten Tag rechts abbogen, blieben wir für ein paar weitere Kilometer auf der Route des Vortages bis wir dann diese verließen und nach rechts auf den grünen Flügel abbogen. Zunächst ging es wieder durch fruchtbare Felder und Wiesen und dann bergab bis zu einem einsamen Aussiedlerhof. Dort schien die Zeit stehen geblieben zu sein. Ein wunderschöner Bauerngarten wo Blumen und Gemüse sich abwechselten und jede menge freilaufende Tiere, u.a. auch einige Pfauen. Am frühen Sonntagmorgen war niemand von den Bauersleuten zu sehen und so fuhren wir weiter bei leichtem Nieselregen, bergauf durch eine Pappelallee und weiter durch grüne Felder bis zum nächsten kleinen Dorf. Am Ortsausgang fuhren wir auf der Straße weiter bis nach Wettringen. Der Radweg verlief durch den Ort und folgte der ausgestorbenen Landstraße. Einige Kilometer später wies uns ein Schild den Weg. Wir bogen rechts auf einen Wirtschaftsweg ab und folgten diesem bis wir plötzlich mitten in einem Steinbruch standen, wo es offensichtlich nicht mehr weiter ging. Wir fuhren ein Stück zurück und fanden dann, etwas versteckt, das Hinweisschild und folgten diesem steil und unbefestigt bergauf, in Richtung Waldrand. Keuchend oben angekommen holten wir kurz Luft und fuhren dann nach links am Waldrand weiter bis nach Weikersholz. Dort war der Weg wieder befestigt und gut befahrbar. Wir fuhren bergab und stießen wieder auf die Straße, der wir bis nach Wallhausen folgten. Dort war in der Dorfmitte ein Fest im Gange und gerade wurde ein Freiluftgottesdienst abgehalten. Wir lauschten eine Weile ehrfurchtsvoll bevor wir unseren Weg fortsetzten. Wir fuhren aus dem Ort heraus, eine kleine Steigung hinauf und stießen im nächsten Ort auf die, ganz unscheinbar am Wegrand liegende, Tauberquelle. Wir machten ein paar Erinnerungsfotos und fuhren der Straße folgend weiter bis nach Wallhausen. Das Wetter besserte sich langsam und auch die Sonne ließ sich hin und wieder blicken. Entgegen unserer Gewohnheit tagsüber nichts schweres zu essen, machte sich Hunger bei uns bemerkbar. Bei der Durchfahrt von Wallhausen, lockte eine Dönerbude mit den typischen Gerüchen. Wir sahen uns an und bogen direkt nach rechts ab. Nach dieser üppigen Stärkung fielen uns die ersten Kilometer natürlich nicht leicht. Aber nach einiger Zeit war auch das vergessen, die Sonne lachte, nun musste nur noch der stetige Wind verschwinden und dann wäre alles perfekt.Wir fuhren weiter bis nach Satteldorf. Dort verließen wir die Straße und folgten dem Radweg zum Wald. Der Weg ging mitten durch einen Aussiedlerhof in dem in kleinen Boxen annähernd zwanzig Kälber standen, die uns mit lautem „Muhhh“ begrüßten. Meine kleine Tochter hätte ihren Spaß gehabt, also schnell ein Foto und weiter ging es in den Wald. Zunächst war es noch trocken und gut befahrbar, aber je dichter und dunkler der Wald wurde, umso schmieriger wurde der Untergrund. Wir mussten teilweise höllisch aufpassen um nicht auf die Nase zu fallen. So ging es einige Kilometer weiter und man hätte sich ganz alleine gefühlt, wäre da nicht von irgendwoher das stetige Geräusch einer Autobahn gewesen. Unter dieser sausten wir bergab aus dem dichten Wald kommend in Richtung Grimmschwinden bis nach Schnelldorf. Etliche blaue Häuser waren zu bemerken. In Schnelldorf ging es dann wieder rechts ab auf einen Wirtschaftsweg, den wir leicht bergauf fuhren. So ging es weiter, wie wir es schon im Verlauf der Tour gewohnt waren. Wiesen, Felder und Wald wechselten sich ab. Hin und wieder tauchte ein Aussiedlerhof auf, mal lockte eine Bank zum verweilen oder ein See glitzerte in der Nachmittagssonne. Wir erreichten Unterampfrach und durchquerten den Ort als drohender Donner unseren Blick nach oben lenkten. In der Ferne kündigten einige dunkle Wolken ein Gewitter an. Aber das war offensichtlich noch weit entfernt und wir fuhren zügig weiter. Der nächste Ort war ja nur noch knappe 5 km entfernt. Unterwegs dahin frischte dann der Wind zum Sturm auf und wir schafften es gerade noch unter die Autobahnbrücke, als der Regen hernieder prasselte. Wir hatten Glück gehabt. Es regnete so stark, dass nur in der Mitte der Brücke ca. 1,5 m trocken blieben. Dort standen wir! Eine kurze Regenpause nutzen wir um die letzten Kilometer bis nach Zumhaus zu fahren. Dort suchten wir uns in der Dorfmitte in einer Bushaltestelle ein trockenes Plätzchen. Als das Gewitter, nach einer Weile, vorbeigezogen war, fuhren wir wieder weiter. Wir machten ordentlich Tempo um den Aufenthalt wieder gut zu machen. Die Sonne kam wieder heraus, nur der Wind sollte an diesem Tag nicht mehr aufhören. So ging es weiter über Bottenweiler bis nach Mühlen und dann über Bösennördlingen bis nach Wörnitz. Dort trafen wir wieder auf den Roten Flügel, den wir am Vortag schon zum Teil abgefahren hatten. Wir folgten dem Radweg eine Weile bis wir bei Oberwörnitz rechts in Richtung Schillingsfürst abbogen. Es war schon spät am Nachmittag und wir beeilten uns Schillingsfürst zu erreichen. Die nächste Regenattacke drohte und wir flüchteten uns in ein Gasthaus, wo wir den Regen bei Kaffee und Kuchen abwarteten. Knapp eine halbe Stunde später konnten wir wieder weiterfahren und wir beeilten uns die restliche Strecke über Schafhof, Neuweiler und Faulenberg bis nach Diebach zu fahren. Die Strecke führte wieder durch Wald und Wiesen, entlang der Straße. Autos waren an diesem Sonntag fast gar keine zu sehen. Die Sonne konnte sich noch einmal gegen die Wolkendurchsetzen, einzig der starke Gegenwind machte uns zu schaffen. In Diebach fuhren wir auf die bereits bekannte Strecke bis nach Lohr und fuhren am späten Nachmittag dort ein. Schnell waren wir durch den Ort und hielten uns auch nicht länger auf. Wir hatten noch mehrere hundert Kilometer mit dem Auto zu fahren und wollten nun auch wieder nach Hause. Auf dem Nachhauseweg ließen wir gemeinsam noch einmal die letzen Tage Revue passieren und kamen zum Schluß, dass trotz der verkürzten Strecke der Radschmetterling eine sehr schöne Tour war. Wir freuten uns auf unsere Familien und überlegten schon mal vorsichtig, wo es denn im nächsten Jahr hingehen könnte....

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